Schneekugel

 

Hier findet ihr unter  anderem, etwas, dass ich für Freunde und liebe Menschen geschrieben habe, aber auch, weil ich mich mit mir selbst und meiner Vergangenheit auseinandersetze...

 


Mama 

Wild wirbeln Schneeflocken
vor dem Fenster,
das du nicht siehst.

Fest geschlossene Augen,
ein Schmerz niedergeschlagen
auf deinem Gesicht.

Da draußen ist Winter –
Sanfter, ruhiger, weißer,
kaminfeuerwarmer Winter.

Weiche Schneeflocken
Sterben an der Scheibe
Einen klaglosen Tropfentod.

Die Tränen auf deinen Wangen;
sie frieren nicht,
denn du wärmst sie.

Durch dein stilles Lächeln.
Durch deine starke Liebe.
Durch dein Vertrauen in mein Leben.

Dezember 1978

 Grauer Himmel
Über mir.
Trübe Tage
erwarten mich.

Kalte Nächte
umklammern mich.
Dunkelheit hält mich gefangen.

Irgendwann im Dezember:
Erfriere ich.
Ersticke ich.
Wenn nichts passiert!

Ein Licht am Himmel,
größer als groß;
blickt mich an mit seinem funkelnden Auge.
Ängstlich erwartend -
Hypnotisiert.

Den Hals nach oben gereckt,
erstarrt,
fixiert den hellen Punkt.
Die Angst fällt ab.

Wärme fließt in Strömen:
Umarmt mich,
schließt mich ein.
Mein Leben erwacht -
Es rüttelt mich.

Sanfte Kraft treibt mich voran:
Zeit zum Leben,
nicht zum Sterben.
Zeit zum Lieben,
lernen:

Irgendwann im Dezember wurde ich geboren.

Der Himmel ist tagein tagaus von dicken, grauen Wolken verhangen,
kurz nachdem es hell geworden ist, neigt der Tag sein müdes Haupt bereits wieder der Nacht entgegen,
am Abend (im Winter ist das bereits um 17 Uhr) hat man jeglichen Antrieb mit dem längst schlafenden Tag ans Gestern verloren und der einzige, leidigerweise Kalorien-gestählte Trost bleibt dann meist die sündig, süße Nascherei - in Kombination ist das für jede noch so mühselig erkämpfte ansehnliche Figur ein Tod auf Raten und die Rendite ist wirklich gut, wobei das hierbei nicht unbedingt ein erwünschter, ebenso wenig positiver Aspekt ist

Die kostbare Zeit verrinnt: unser einziges, kostbares Leben verrinnt und irgendwann werden wir sterben, mit dem Gedanken

ES HÄTTE SEIN KÖNNEN - doch es war nicht.

 Daraus erwächst ein Fluß ohnmächtigen Schmerzes:
Seine Quelle ist mein Herz, meine Seele sein Verlauf und sein Ozean entrinnt meinen Augen.

Zärtlichkeit

Zärtlichkeit kann ein Wort sein, ein Gedanke, ein Blick - eine Berührung - sanftes Streicheln...

Zärtlichkeit ist für mich, mit einem Lächeln auf den Lippen an meinen Liebsten zu denken, ihm mit der Hand über den Kopf zu streicheln, seine Augen küssen und sein Gesicht mit beiden Händen halten, ganz dicht vor meinem. Mich in seinen Augen spiegeln, wiederfinden, mir begegnen in ihm.

Zärtlichkeit ist : mich einfach murmelrund bei ihm fühlen.

Zärtlichkeit ist ein Sonnenstrahl, welcher aufs Bett fällt, in dem er neben mir liegt.

Zärtlichkeit ist Liebe.


Angstgeister

Sie tragen keine weißen Kleider,
sie machen auch keine Geräusche,
doch sie tun etwas,
das viel schlimmer ist:
Sie lassen dich niemals allein!

Manchmal, vielleicht am Tag,
kannst du sie zur Seite schieben,
für Minuten.
Doch kaum kommst du zur Ruhe,
springen sie dich von hinten an,
wie hungrige Bestien.

Sie fressen an deinem Gewissen,
nur Knochen bleiben übrig.
Sie heißen Angst!
Bleich schimmern sie im Mondlicht
deiner Nacht.

Ihr totes Licht lässt dich nicht schlafen.
die einzige Möglichkeit ihnen zu entkommen,
ist, sich zu stellen:

Der Angst vor Verantwortung, vor Ehrlichkeit und vor allem vor dir selbst!

Ich kann fliegen

Da oben,
im obersten Stock,
stehe ich
am offenen Fenster.

Unten, da -
auf der Strasse:
die Autos
sind ganz klein.
Auch Menschen
sind wie Ameisen.

Traurig ist mein Blick
dort hinunter
auf die kleine Welt
ohne dich.

Sie ist einfach leer.
Ich bin
ganz leer ohne dich.
Fallen lassen
und meine Arme ausbreiten.

Der Himmel
ist erfüllt von Licht

Wahrnehmung

Da warst du auf einmal:
Blicke wechselten den Besitzer,
verloren aber nicht an Wert.

Die Zeit stand still -
Ruhig wurde es mitten am Tag.
Deine Worte fanden ein Zuhause
in meinem Kopf.

Seitdem drehen sie da ihre Runden.
Fingerspuren sind unsichtbar
eingebrannt auf der Haut,
in der Seele,
im Herzen

und ich folge ihnen seit diesem Tag,
an dem ich bemerkte:

du bist da!

NymphoMan

Immer dem Einen rennt er hinterher.
Er trägt sein Geschlecht in den Händen.
Schleppt es herum wie eine Last,
die er doch nicht abwerfen will.

Ruht sich drauf aus,
wenn’s anstrengend wird,
und nimmts auf den Arm
wenn er weiter muss.

Hält es vor sich zum Schutz
vor bohrenden Fragen,
und versteckt es hinter dem Rücken
zum Ködern der Weiber.

Doch wehe wenn sie am Haken hängen
und zappeln und um ihr kleines Leben flehen.
Dann holt er es hervor
und tobt sich mit ihm dran aus.

Sollen sie doch zerbrechen!
es gibt noch genug die drauf reinfallen,
auf seine Maschen und sich verstricken
in seinem Netz aus schönen Worten.

Zu viele Gedanken passen zwischen uns

Da ist ein wenig zuviel leerer Raum,
in dem Worte zwischen Telefonaten herumschwirren.
Keine Blicke,
auch keine Berührungen.

Und aus den Worten
winden sich Seile zu Gedanken,
die sich an mir festklammern
und mich nach unten ziehen:
In die Abgründe zwischen diesen zwei Welten

Da passen viel zu viele Gedanken zwischen uns,
die mich traurig machen.

Kannst du nicht kommen und den Raum füllen?

Regenbogen

Regenbogen -
mein Freund.
Weit oben,
dort wo sich mein Blick sehnsüchtig
in den Gedanken an den Liebsten verliert;
dort wo Träume Hand in Hand mit meiner Sehnsucht
spazieren gehen.

Regenbogen -
mein Gefährte.
Hoch oben,
wo meine Worte leise verhallen;
wo ein Kuss unendlich scheint;
dort oben wo die Zärtlichkeit ihre Flügel findet.

Regenbogen - Du bist im Himmel meiner Liebe zuhause.

Sommer in der Stadt

Weiter Himmel blau wie Stahl,

betupft nur mit leichten, weißen Schäfchenwolken.
Die Luft flimmert in den Straßen
und über dem Grün der seltenen Wiesen
schaukele ich mit baumelnden Beinen
auf verknoteten Sonnenstrahlen
hinein in das Lachen der Sommerliebe.

Natur in unseren Herzen

Liebe ist der Boden, auf dem alles wächst und gedeiht - Kussblumen,
Umarmungsbäume.

Leidenschaftsgräser, die sich wild-besänftigt im Wind der Zeit wiegen.
Dort wo Schmetterlinge aus Einander-nahsein herumfliegen und ein Bach aus Lachen fröhlich sprudelnd vor sich hin gurgelt.

Das alles kann nur kräftig blühen und das Herz erfreuen, wenn man sich darum bemüht und niemals der grauen, trockenen Wüste aus Gewohnheit zuviel Boden überlässt.

Gewohnheit ist das Ende des Paradieses -

das Ende der Liebe.

Herbst

Das Wetter ist nass und kalt.
Der Himmel so grau und unwirtlich an einem Montagmorgen.

Es ist Herbst,
die Zeit im Jahr, in der das Sterben des Sommers beginnt;
er sich in den schönsten Farben
ein letztes Mal aufbäumt,
die Natur ihr Füllhorn an Früchten über der Welt ausleert,
um dann in novemberlichen Eisseufzern zu sterben und
mit einer Decke aus weißem, stillem Schnee bedeckt
den ewigen Schlaf bis zum nächsten Frühling zu schlafen.

Alles stirbt, wird leise und hüllt sich ein in sanftes Grau.
Die Natur stirbt,
wird müde und legt das schwere, herbsttränenfeuchte Haupt
auf die Felder und Wiesen.

Alles stirbt - fast alles.

Eisblumen 

Während meine Sehnsucht
nach dir
einsam an den Scheiben festfriert
wird draußen wieder Sommer.

Und in mir
ist die Zeit stehen geblieben.
In diesem letzten Winter
als du noch da warst.

Mir ist kalt.
Keine wärmenden Blicke
erreichen mich mehr.
Kein aufmunterndes Kopfnicken
fliegt mehr
von dir zu mir!

Eine leere Blechdose ist die Welt
in der mein Rufen,
mein Mich-nach-dir-Sehnen verhallt.
Ohne Antwort von dir
rollt sie zwischen den Wehen
der weißen Zeit
hin und her.

Ihr hohles Scheppern ist schadenfroh.
Ich stelle mich taub
und schaue den Eisblumen
am Fenster beim Wachsen zu.
Sie erinnern mich an dich!

Virus

Die Sonne küsst dem blauen Himmel
glitzernde Schweißperlen
auf die Stirn,
als der Frühling flimmernd auf den Straßen verkocht.
Zwischen uns bricht die Glut des Sommers aus,
tobt -
wie ein Feuersturm.


Der Virus, der sich Liebe nennt,
er wütet in uns.
Und wir wollen kein Gegenmittel kennen.
Nur Linderung erfahren.
Durch Küsse
auf der Haut,
die irgendwie salzig
und nach Sehnsucht schmecken.


Sandkasten

Gedichte schreiben,
das ist wieder Kind sein:
Im Sandkasten sitzen,
deine Fantasie aussieben
und Buchstaben fallen zu Worten
auf die Seele.
Zu Burgen.
Zum Verlieben.
Oder zum Verlesen.

 

 

©Nicole Richter 08.01.2009

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